Die Rede von Ayatullah Reza Ramezani, Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg und Vorsitzender des Gelehrtenrates der IGS bei der IGS Mitgliederversammlung 2015:

Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Begnadenden

Ich heiße alle Mitglieder der schiitischen Gemeinden in Deutschland willkommen, die an der jährlichen Mitgliederversammlung der IGS teilnehmen. Im Besonderen heiße ich den Vorstand und den ehrenwerten Vorstandsvorsitzenden willkommen und wünsche Ihnen allen Erfolg und Aufstieg.
Inscha Allah möge diese eintägige Sitzung zur Entwicklung der schiitischen Gemeinschaft in Deutschland beitragen, damit die höheren Ziele erreicht werden mögen, für die Sie stets einstehen.
Ich halte es für erforderlich zu dieser wichtigen Sitzung einige Punkte in Erinnerung zu rufen:
1. Die Beschützung der Stellung der IGS ist zur Einforderung der Rechte der Schiiten im Umgang mit der Regierung äußerst wichtig. Die Position und Stellung der IGS muss stets geschützt werden. In diesem Sinne muss der Vorstand in jedem Kontakt zu den Regierungsverantwortlichen die schiitische Identität verteidigen und der Einforderung ihrer Rechte Nachdruck verleihen.

2. Die Einheit, Einfalt und Eintracht sind Notwendigkeiten und Prioritäten. Wir dürfen uns nicht mit nebensächlichen und belanglosen Thematiken beschäftigen, sondern die Anstrengung von uns allen muss sich darauf konzentrieren die wichtigen und eigentlichen Aufgaben und Herausforderungen erfolgreich zu bewältigen. In der Praxis müssen wir als Muslime bestrebt sein als Zierde zu gelten, welches die Ahl ul-Bayt (a.) von uns erwarten: „Seid für uns eine Zierde und keine Schande.“

3. Das Islamische Zentrum Hamburg als religiöser Bezugsort und Vertreter der schiitischen Mardscha’iyyah hat stets die IGS unterstützt und wird dies auch in Zukunft tun. Jedoch erwartet es, dass die Stellung der IGS von Tag zu Tag steigt und dass auf Basis der Satzung gehandelt wird, die die Konvention aller Mitglieder darstellt.

4. Gott sei Dank ist die IGS seit einigen Jahren bestrebt zu ihrer eigenen Vorstellung gewisse Programme abzuhalten, wie bspw. dem Bankett im heiligen Monat Ramadhan, der Ghadir-Veranstaltung, regionalen Sitzungen, Pressemitteilungen etc.
Doch im gleichen Atemzug muss sie im Hinblick der Angelegenheiten der islamischen Welt und der Muslime Stellung beziehen, wie bspw. der Art und Weise der Hilfeleistung an die Flüchtlinge oder dem Todesurteil für Sheikh Nimr. Es ist klar und deutlich, dass man sich in ernster Art und Weise mit diesen Thematiken auseinandersetzen und seiner religiösen und rechtlichen Verpflichtung nachkommen muss.

5. Zu diesen wichtigen Thematiken gehört die innerislamische Einheit. Wir dürfen nicht zulassen, dass die Feinde Zwietracht zwischen schiitischen und sunnitischen Geschwistern stiften. In dieser Hinsicht müssen wir der Mardscha’iyyah folgen und diesen wichtigen Punkt unterstreichen. Wir dürfen nicht mit der Ausrede die Ahl ul-Bayt (a.) verteidigen zu wollen ein Verhalten an den Tag legen, welches mit ihrer Lebensweise unvereinbar ist.

6. Die IGS muss die Vernunft und Spiritualität hervorheben und den heiligen Propheten (s.) sowie die unfehlbaren Imame (a.) als vollkommene Vorbilder für die menschliche Gesellschaft vorstellen. Denn ihre Exzellenzen stellen herausragende Persönlichkeiten in der Wissenschaft, Vernunft und Spiritualität dar, wonach es der menschlichen Gesellschaft heutzutage dürstet.

7. Einige Unwissende sind darauf aus konfliktreiche und nebensächliche Themen als schiitische Unbedingtheiten darzustellen. In dieser Hinsicht muss man wachsam sein, dass Aberglaube und unbedeutende Angelegenheiten keineswegs zu Problemen und Unruhe in der schiitischen Gemeinschaft führen dürfen.

8. Ein weiteres Mal bedanke ich mich bei dem Vorstand für ihre Bemühungen und hoffe, dass sie im verbleibenden Jahr ihrer Verantwortung dieser gerecht werden, sodass wir in Zukunft Zeuge des Wachstums und der Entwicklung dieser Vereinigung sein mögen. Allerdings ist die Voraussetzung hierfür die Einheit, Eintracht und Einfalt unter den Mitgliedern des Vorstandes, welches wir mehr als in der Vergangenheit erwarten, denn die Spaltung ist in jeder Hinsicht unangemessen. Es ist notwendig, dass die Mitglieder die von der Mehrheit beschlossenen Vereinbarungen respektieren, sie unterstützen und bei ihrer Umsetzung die erforderliche Zusammenarbeit erbringen.
Zum Abschluss sei in Erinnerung gerufen, dass der Gelehrtenrat seine Bereitschaft bekundet sich um die ihm anvertrauten Angelegenheiten zu kümmern. In der Hoffnung, dass der erhabene Gott uns allen den Erfolg zum Dienst in reiner Absicht schenken möge.
غَفَرَ اللُّه لَنا وَ لَکُم والسَّلام عَلینا وَ عَلیکُم وَ رَحمَة اللّه وَ برَکاتُه

Mit der Bitte um Dua
Reza Ramezani
Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg
Vorsitzender des Gelehrtenrates der IGS

Die Rede von Ayatullah Reza Ramezani bei der IGS Mitgliederversammlung 2015